Runder Tisch Kultur jetzt!

Allianz der Freien Kuenste

Berlin, 27. April 2021 | Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände begrüßen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich heute in einem Bürger:innen-Dialog mit Kunst- und Kulturschaffenden ausgetauscht und sich sehr ausführlich mit den konkreten Berichten beschäftigt hat.

Die gesamte Branche und vor allem die Kunstschaffenden in freien Strukturen tragen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung solidarisch mit. Gleichzeitig fehlt aktuell jede Perspektive auf Öffnung und berufliche Betätigung.

Wir freuen uns, dass in der heutigen Diskussionsrunde auch mehrere Künstler:innen aus freien Strukturen zu Wort kamen und der Bundeskanzlerin die besondere Situation der vielen soloselbstständigen Kunst- und Kulturschaffenden darlegen konnten. Dazu gehört auch die Dringlichkeit eines Unternehmer:innenlohns, den aufzugreifen die Bundeskanzlerin angekündigt hat. Es wurde außerdem deutlich, dass die Aufstockung der Neustarthilfe für Soloselbstständige sowie die Fortführung nach Juni 2021 ebenso dringend notwendig sind wie der angekündigte Wirtschaftlichkeitsbonus und Ausfallfonds.

Wir bedauern, dass im Vorfeld nur wenige Fach- und Branchenverbände angefragt wurden, Vorschläge für Teilnehmer:innen am Bürger:innen-Dialog zu unterbreiten. Dadurch fehlten wichtige Perspektiven wie zum Beispiel die der Bildenden Künstler:innen. Gleichzeitig zeigte dieses Format, dass noch tiefergehend über strukturelle Probleme bei den Corona-Hilfen und die Existenzbedingungen der Kunst- und Kulturschaffenden diskutiert werden muss.

Die Allianz der Freien Künste sieht den Bürger:innen-Dialog deshalb als einen ersten guten Einstieg, der weitergedacht werden muss. Wir regen an, diesen Dialog auf der Ebene der zahlreichen Fachverbände und unter Einbezug der Bundesländer fortzuführen und einen regelmäßigen Runden Tisch Kultur ins Leben zu rufen.

 

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Sprecher*innen:

Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

Lena Krause
Tel.: 0176 / 640 92 843

 

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Artist’s social insurance fund (KSK): Anonymous survey – Identification of problems experienced by people insured with the KSK in connection with non-artistic part-time self-employment 

Allianz der Freien Kuenste

We are thankful to IAIB-International Artists Information Berlin/touring artists for providing an English translation of this survey and the additional texts.

Dear colleagues,

we know that many people insured through the KSK are having problems related to the additional income limit for non-artistic self-employed side jobs, especially as a result of the COVID-19 pandemic (but also in general).

The Allianz der Freien Künste is actively working to improve the situation. We are in discussion with the KSK, the legislative authority and various experts in order to make progress on this complex matter.

We need you and your experiences so that we can explain the problems using as many specific cases as possible, work on solutions and give weight to our demand for a (temporary) increase of the additional income limit.

Please use this survey to document your cases and the problems you have encountered in connection with the current supplementary income regulations:

Go to survey: https://www.surveymonkey.de/r/AFK_Survey_KSK

The information can be provided completely anonymously. You do not have to include any personal data such as your name, insurance number, etc. If you choose to provide contact information (optional), we might use it to contact you if we have any questions.

We will never pass on personal data to the KSK or other bodies. 

We suspect that there is a great many unreported problems that do not come to the public’s attention because insured persons concerned

  • are avoiding inquiring with the KSK about possible additional income out of concern that this might affect them negatively,
  • are not declaring their side jobs to the KSK against their better knowledge because they have no alternative and need the side job to keep their heads above water,
  • are turning down possible side jobs for fear of losing their KSK status.

At this point, it is important for us to point out that the existing regulations on additional income are based on social law provisions. The KSK is bound by these regulations and is to be understood as an executive body. Calls for changes to the current regulations can therefore only be addressed to the legislative authority, not to the KSK.

At the same time, we would like to suggest that the KSK expand its existing, already comprehensive body of information material to include information on issues that have gone unnoticed until now. In particular, this concerns the question of whether the additional income limit – while it continues to apply in its current form – can be considered on a monthly (€450) or annual (€5,400) basis. The KSK has already indicated that it is willing to cooperate in this regard.

Background: Taking up a non-artistic self-employed side job can quickly become a problem for persons insured through the KSK. Anyone who earns more than €450/month or €5,400/year will lose their health and long-term care insurance coverage through the KSK, regardless of how high their income from their artistic activity is. In this context, it is often unclear whether the additional income may be calculated on an annual basis (€5,400/year) or whether even a single month when this income exceeds €450 is grounds for exclusion.

On the other hand, part-time employment (side jobs subject to social insurance contributions) is generally rather unproblematic.

Further information:

Info-PDF provided by KSK concerning additional income:

https://www.kuenstlersozialkasse.de/fileadmin/Dokumente/Mediencenter_Künstler_Publizisten/Informationsschriften/Versicherung_trotz_Nebenjob.pdf

Appeals of Allianz der Freien Künste to the legislative authority for effective support for persons insured with the KSK during the COVID-19 crisis:

https://allianz-der-freien-kuenste.de/wp-content/uploads/2021/04/202103PM_AFK_KSK_ERLÄUTERUNGEN_20210310_ITI_EN.pdf

Effektive Maßnahmen sind richtig – Kunst und Kultur brauchen dennoch eine klare Öffnungsperspektive

Allianz der Freien Kuenste

Berlin, 26.04.2021 | Mit Blick auf das am Wochenende in Kraft getretene Infektionsschutzgesetz fordern die in der Allianz der Freien Künste organisierten 19 Bundesverbände eine klare Öffnungsperspektive – z. B. durch eine Differenzierung zwischen Veranstaltungen im Innen- und Außenbereich – sowie ein umfassendes Maßnahmenpaket für den unter besonderem verfassungsrechtlichem Schutz stehenden Bereich der Kunst.

Kunst- und Kulturschaffende tragen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung seit mehr als einem Jahr solidarisch mit. Wie in keiner anderen Branche führen die Maßnahmen im Kulturbereich zu einem andauernden – 2020 nur kurzzeitig unterbrochenen – Verbot der Berufsausübung. Vor allem kleine Unternehmen und eine Vielzahl von Solo-Selbstständigen stehen vor dem Aus. Das novellierte Infektionsschutzgesetz macht nach monatelangem Stillstand nun auch die Hoffnungen der Branche auf einen Veranstaltungsbetrieb unter Open-Air-Bedingungen zunichte.

Alarmiert nimmt die Allianz der Freien Künste zur Kenntnis, dass der Kulturbranche damit erneut jegliche Perspektive genommen wird. Unabhängig davon, ob Veranstalter:innen ausgefeilte Hygiene- und Testkonzepte vorgelegt oder technisch nachgerüstet haben, und unabhängig davon, ob Veranstaltungen im Innen- oder Außenbereich geplant sind – die Kultur bleibt dicht.

Die Begründung, die Schließung der Kultur sei »angemessen«, weil Einnahmeeinbußen »durch wirtschaftliche Kompensationsprogramme erheblich abgemildert« würden, entspricht nicht der Realität. Die Hilfsmaßnahmen des Bundes reichen in der Höhe nicht aus, sind noch immer nicht passgenau, schließen noch immer zu viele Kunst- und Kulturschaffende aus und kommen obendrein häufig zu spät. Lückenhafte Regularien und fehlende Informationen führen zu einer Verunsicherung bei den Antragstellenden – u. a. bei der Frage, wie Hilfen kombinierbar sind und ob ggf. Rückforderungen drohen.

Trotz der an Fahrt aufnehmenden Impfkampagne, und obwohl mit NEUSTART KULTUR eine zweite Kultur-Milliarde auf den Weg gebracht worden ist, erscheint die Lage für die Kultur auswegloser denn je. Grund ist nicht nur die Pandemie selbst, sondern das offensichtliche Fehlen einer konsequenten und wirksamen politischen Strategie sowie die mangelnde Einbindung des Kulturbereichs bei der Konzipierung der geplanten Maßnahmen. Es wird erneut deutlich, wie wenig der Gesetzgeber gewillt ist, die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Gesellschaft anzuerkennen.
Die Allianz der Freien Künste fordert die sofortige Umsetzung effektiver Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Die Verbände unterstützen einen harten, konsequenten und schnellen Lockdown für alle Bereiche der Gesellschaft, der allerdings mit einer klaren Perspektive für die Öffnung verbunden sein muss:

1. Differenzierung zwischen Außen- und Innenbereich

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel deutlich geringer ist als in Innenräumen. Die Allianz der Freien Künste fordert Bund und Länder auf, schnellstmöglich eine mit den Kulturverbänden abgestimmte Öffnungsstrategie zu entwickeln, die eine Differenzierung zwischen innen und außen vorsieht – nicht zuletzt, um die kulturelle Grundversorgung der Gesellschaft zu gewährleisten. Es geht um die kulturelle Teilhabe aller sowie um die Sicherung der Existenz der Kulturschaffenden und der Betriebe der Kulturwirtschaft.

Ergänzend zu dieser Forderung im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz braucht es ein umfassendes Maßnahmenpaket für die Kulturwirtschaft:

2. Eine erhöhte Neustarthilfe für Soloselbstständige mit einer Weiterführung in der zweiten Jahreshälfte

Die Höhe der Neustarthilfe für Soloselbstständige ist für viele Kunst- und Kulturschaffende bei weitem nicht ausreichend. Solange kein fiktiver Unternehmer:innenlohn gewährt wird – für den die Allianz der Freien Künste seit Beginn der Pandemie eintritt – braucht es dringend eine angemessene Erhöhung des Fördersatzes bei der Neustarthilfe für Soloselbstständige sowie eine frühzeitige Inaussichtstellung einer Weiterführung in der zweiten Jahreshälfte.

3. Rechtsunsicherheiten bei den Wirtschaftshilfen effektiv entgegenwirken

Bei strittigen Fragen, komplizierten Fällen und im Zusammenhang mit der Kombinierbarkeit von Hilfen haben sowohl Einzel-Antragsteller:innen als auch prüfende Dritte derzeit keine kompetenten Ansprechpartner:innen zur Klärung rechtlicher Unklarheiten. Die derzeit vom BMWi angebotene Beratung hat keine Lösungskompetenz. Die Allianz der Freien Künste fordert die umgehende Einrichtung einer kompetenten und rechtsverbindlichen Fachberatung.

4. Keine weitere Verzögerung bei den Härtefallhilfen

Für Selbstständige und Unternehmen, die bei den bestehenden Hilfsmaßnahmen durchs Raster fallen, wurden von Bund und Ländern Härtefallhilfen mit einem Volumen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Den Worten müssen umgehend Taten folgen, sonst kommen die Hilfen zu spät. Hier braucht es einen beschleunigten Programmstart.

5. Ausfallfonds und Wirtschaftlichkeitsbonus sind überfällig

Bereits Anfang des Jahres wurde vom BMF ein Ausfallfonds und Wirtschaftlichkeitsbonus angekündigt, mit dem das Corona-bedingte Ausfallrisiko von Kulturveranstaltungen abgesichert und ein Veranstaltungsbetrieb mit reduzierter Kapazität ermöglicht werden soll. Auch wenn die Planbarkeit von Veranstaltungen momentan stark eingeschränkt ist, müssen die Hilfsmaßnahmen unverzüglich auf den Weg gebracht werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass ein weiteres komplettes Jahr für die Kultur verloren ist. Die angekündigten Hilfen müssen auch kleine Veranstalter und Veranstaltungsorte mit einer Kapazität von 100 Plätzen berücksichtigen. Beim Ausfallfonds müssen zwingend auch Ausfallhonorare für Künstler:innen mit abgesichert sein.

 

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Sprecher*innen:

Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

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Anonyme Umfrage zur Erfassung von Problemfällen KSK-Versicherter im Zusammenhang mit nicht-künstlerischen selbstständigen Nebenjobs

Allianz der Freien Kuenste

We are thankful to IAIB-International Artists Information Berlin/touring artists for providing an English translation of this survey and the additional texts. Follow this link for information and survey in English.

Liebe Kolleg:innen,

wir wissen, dass viele KSK-Versicherte besonders infolge der Corona-Pandemie (aber auch grundsätzlich) Probleme haben, die mit der Zuverdienstgrenze bei nicht-künstlerischer selbstständiger Nebentätigkeit zusammenhängen.

Die Allianz der Freien Künste arbeitet aktiv an einer Verbesserung der Situation. Wir sind im Gespräch mit der KSK, mit dem Gesetzgeber und verschiedenen Expert:innen, um in dieser komplexen Materie weiterzukommen.

Dabei brauchen wir Euch und Eure Erfahrungen, damit wir die Probleme anhand möglichst vieler konkreter Fälle beschreiben, an Lösungen mitarbeiten und unserer Forderung nach einer (temporären) Anhebung der Zuverdienstgrenze Nachdruck verleihen können.

Bitte dokumentiert in dieser Umfrage Eure Problemfälle im Zusammenhang mit der bestehenden Zuverdienstregelung:

Zur Umfrage: https://www.surveymonkey.de/r/AFK_Umfrage_KSK

Die Angaben können komplett anonym gemacht werden. Ihr müsst keine persönlichen Daten wie Euren Namen, Eure Versicherungsnummer o. Ä. nennen. Wenn Ihr einen Kontakt angeben möchtet (optional), würden wir bei Unklarheiten ggf. Gebrauch machen von der Möglichkeit einer Rückfrage.

In keinem Fall leiten wir personenbezogene Daten an die KSK oder andere Stellen weiter.

Wir vermuten eine hohe »Dunkelziffer« an Problemfällen, die nicht an die Öffentlichkeit kommen, weil die Versicherten

  • Nachfragen bei der KSK zu möglichen Nebeneinkünften vermeiden, aus Sorge, dass sich Nachteile für sie ergeben könnten
  • wider besseres Wissen den Nebenjob nicht bei der KSK angeben, weil sie ohnehin keine Alternative haben und den Nebenjob brauchen, um sich über Wasser zu halten,
  • mögliche Nebentätigkeiten gar nicht erst annehmen aus Angst, ihren KSK-Status möglicherweise zu verlieren.

Wichtig ist uns an dieser Stelle der Hinweis, dass die bestehenden Regularien zum Zuverdienst auf sozialrechtlichen Bestimmungen beruhen. Die KSK ist an diese Vorgaben gebunden und als ausführendes Organ zu verstehen. Forderungen nach einer Änderung der bestehenden Regularien können sich daher immer nur an den Gesetzgeber wenden, nicht an die KSK.

Wir möchten zeitgleich anregen, dass die KSK ihr bestehendes umfangreiches Info-Material erweitert um Hinweise zu Fragestellungen, die bisher unbeachtet geblieben sind. Das betrifft besonders auch die Frage, ob die Nebenverdienstgrenze – solange sie in der jetzigen Form besteht – monatlich (450€) oder jährlich (5400€) betrachtet werden kann. Die KSK hat diesbezüglich bereits Kooperationsbereitschaft signalisiert.

Zum Hintergrund:

Die Aufnahme einer selbstständigen nicht-künstlerischen Nebentätigkeit kann für KSK-Versicherte schnell zu einem Problem werden. Wer hier über 450/Monat bzw. 5400€/Jahr verdient, verliert den Versicherungsschutz in Kranken- und Pflegeversicherung über die KSK, und zwar unabhängig davon, wie hoch die Einkünfte aus der künstlerischen Tätigkeit sind. Ob in diesem Zusammenhang die Nebenverdienste aufs Jahr gerechnet werden dürfen (5400€/Jahr) oder bereits ein einmaliges Überschreiten von 450€/Monat zum Ausschluss führt, ist oft unklar.

Eher unproblematisch hingegen ist ein Nebenjob in Anstellung (sozialversicherungspflichtiger Nebenjob).

Weitere Informationen:

Infoblatt der KSK zu Nebenverdiensten:

https://www.kuenstlersozialkasse.de/fileadmin/Dokumente/Mediencenter_Künstler_Publizisten/Informationsschriften/Versicherung_trotz_Nebenjob.pdf

Forderungen der Allianz der Freien Künste:

https://allianz-der-freien-kuenste.de/forderungen-an-den-gesetzgeber-zur-wirksamen-unterstuetzung-von-ksk-versicherten-in-der-corona-krise/

Forderungen an den Gesetzgeber zur wirksamen Unterstützung von KSK-Versicherten in der Corona-Krise

Allianz der Freien Kuenste

In Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes ist mit der Kunstfreiheit das verfas- sungsmäßige Bekenntnis zur besonderen Rolle der Künste in unserer Gesellschaft grundlegend formuliert. Mit dem Künstlersozialversicherungsgesetz und in der auf ihm basierenden Künstlersozialkasse (KSK) hat der Gesetzgeber ein konkretes Instrument geschaffen, welches der besonderen Schutzwürdigkeit der Kunst und der Künstler*innen Ausdruck verleiht. Seit ihrem Bestehen ist die KSK die unverzichtbare Grundsäule der sozialen Absicherung selbstständig arbeitender Künstler*innen.

In der Corona-Pandemie hat sich die KSK als wichtiges Auffangnetz für die Versicherten erwiesen. Die seit fast einem Jahr andauernde schwere Krise stellt die Künstler*innen und die KSK vor unerwartete Herausforderungen und erfordert zusätzliche Maßnahmen. Der Gesetzgeber hat bereits erste wichtige Schritte unternommen. So wurde – um das KSK-System zu stützen – 2020 ein Entlastungs- Zuschuss aus Bundesmitteln gewährt. Darüber hinaus wurde dafür Sorge getragen, dass der von den Versicherten – unverschuldet – erlittene Verdiensteinbruch in 2020 und 2021 keine Auswirkung auf den Versicherungsschutz an sich hat.

Dennoch ergeben sich für die Versicherten weiterhin erhebliche Probleme. Starre Zuverdienstregelungen im Bereich selbstständiger Nebentätigkeit erschweren es vielen von ihnen, aus eigener Kraft die Krise zu überstehen, ohne ihren Hauptberuf aufgeben zu müssen. Die Corona-bedingten Verdienstausfälle führen außerdem zu einer Minderung des Krankengeldanspruchs und werden mit Blick auf den Zugang zur Grundrente für viele Versicherte drastische Spätfolgen im Bereich der Altersabsicherung nach sich ziehen. Zusätzlich zu den bereits erfolgten Maßnahmen sind dringend weitere Schritte des Gesetzgebers erforderlich – in Bezug auf das KSK-System und die Altersabsicherung der Künstler*innen.

Grundsätzlich gilt, dass der Bereich der Künste durch die – infolge der Corona-Pandemie angeordneten – staatlichen Schutzmaßnahmen eine der am stärksten betroffenen Branchen ist und dass der Kulturbetrieb auch nach einem Ende der Pandemie-bedingten Beschränkungen erst mit großer Verzögerung in Gang kommen wird. Auch aufgrund von sehr langen Planungsvorläufen wird sich die Krise noch sehr lange auf die Arbeitsrealität freischaffender Künstler*innen auswirken. Es ist davon auszugehen, dass der Kulturbereich bis mindestens 2022 starken Beeinträchtigungen ausgesetzt sein wird.

In diesem Zusammenhang ist es notwendig, dass zur Stabilisierung der KSK auch in 2021 ein Entlastungs-Zuschuss des Bundes gewährt wird, um Corona-bedingte Engpässe auf der Einnahmeseite der KSK auszugleichen und den Abgabesatz für die Verwerter*innen stabil zu halten.

  1. Die Allianz der Freien Künste fordert den Gesetzgeber auf – für die Dauer der Pandemie und eine Übergangsphase bis mindestens Ende 2022 – die Zuverdienstgrenzen für nicht- künstlerischen selbstständigen Nebenverdienst auszusetzen oder deutlich anzuheben bzw. eine Regelung zu treffen, die für KSK-Versicherte den Bestandsschutz in der Kranken- und Pflegeversicherung trotz Überschreitens der Zuverdienstgrenze gewährleistet.

Ähnliche Forderungen wurden bereits von ver.di, vom Deutschen Kulturrat, vom Deutschen Musikrat und anderen Verbänden vorgebracht.

  1. Solange die Zuverdienstgrenze für nicht-künstlerischen selbstständigen Nebenverdienst in der jetzigen Form besteht, ist für die KSK-Mitglieder entscheidend, ob eine monatliche Betrachtung (derzeit 450 Euro pro Monat) oder eine jährliche Betrachtung (derzeit 12 mal 450 Euro = 5.400 Euro pro Jahr) erfolgt. Die Allianz der Freien Künste fordert, dass die Zuverdienstgrenze in jedem Fall auf das gesamte Jahr gerechnet werden kann. Dadurch hätten die Versicherten die Möglichkeit, die bestehenden Zuverdienstmöglichkeiten – generell und besonders während der Krise – voll auszuschöpfen.
  2. Die Allianz der Freien Künste fordert den Gesetzgeber auf, durch entsprechende Nachbesserungen beim Zugang zur Grundrente schnellstmöglich die Spätfolgen der Corona-Pandemie für die soziale Absicherung der Künstler*innen im Alter abzufedern. Unabhängig von der Corona-Situation muss der Zugang zur Grundrente für (hauptberufliche) Künstler*innen mit unterdurchschnittlich geringem Einkommen ermöglicht werden.
  3. Zur Stabilisierung der KSK-Systems muss auch in 2021 ein Entlastungs-Zuschuss des Bundes gewährt werden, um Corona-bedingte Engpässe auf der Einnahmeseite der KSK auszugleichen und den Abgabesatz für die Verwerter*innen stabil zu halten.

Hier geht es zu weiteren Erläuterungen.

 

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Sprecher*innen:

Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

Lena Krause
Tel.: 0176 / 640 92 843

 

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Rasender Stillstand – Komplexe Systeme

Allianz der Freien Kuenste

Ein Beitrag von Stephan Behrmann

Die bislang fast 2,5 Millionen Toten weltweit markieren die historische Dimension dieser globalen Krise, deren Ausmaß sich vor zehn Monaten kaum jemand hat vorstellen können. Seit nunmehr fast einem Jahr befinden wir uns in einer Art fortlaufender Versuchsanordnung, in der die Länder verschiedene Strategien ausprobieren und in der es mittlerweile manche Lichtblicke, aber immer noch zu wenig Gewissheiten gibt, wie lange dieser Ausnahmezustand noch anhält und wie die Gesellschaften am Ende aus der Sache herauskommen werden.
Eines lässt sich bereits jetzt feststellen: auch für eine Mehrheit derer, die nicht direkt von Krankheit und Tod betroffen sind, hat die Krise gravierende Folgen. Es gibt eine deutliche Verstärkung von Ungleichheit bzw. eine voranschreitende Spaltung der Gesellschaft zwischen denen, die gut durch die Krise kommen oder sogar von ihr profitieren und den Abgehängten – zwischen jenen, die Zugang haben und jenen, denen er fehlt. Die Kunst agiert üblicherweise an den Demarkationslinien gesellschaftlicher Widersprüche und ist systemrelevantes gesellschaftliches Korrektiv, doch viele Kunstschaffende sind durch die Logik des Überlebenskampfes zermürbt und außer Kraft gesetzt. Insbesondere den freien Kunstschaffenden ist mittlerweile jede Grundlage für ihr Arbeiten genommen. Das bezieht sich nicht nur auf das Verbot der Berufsausübung oder das Fehlen passender Hilfsmaßnahmen, sondern vor allem auf die anhaltende Gleichzeitigkeit von lähmendem Stillstand und fataler Beschleunigung, die von den Systemen und Abläufen ausgeht, mit denen es die Kunstschaffenden zu tun haben und die zu einer permanenten Ungewissheit führt, wie man – ohne den Beruf aufzugeben – über die Runden kommen kann.

Zum Thema Unterstützung der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler und freier Strukturen durch staatliche Corona-Hilfen kommt hier die kurze Version: Ja, die Kulturmilliarde war wichtig und dass eine zweite Milliarde kommen wird, ist gut. Ja, in der Überbrückungshilfe III werden die Künste inzwischen gesehen, auch das Bewusstsein, dass bei den Solo-Selbstständigen etwas passieren muss, ist inzwischen stärker vorhanden als noch vor Monaten. Aber die Probleme sind dabei mitnichten vom Tisch. Viel zu lange hat es gedauert, bis die Interessenvertretungen durchgedrungen sind. Noch immer fallen zu viele durch das Raster und selbst für die, die Zugang zu staatlichen Hilfen haben, hören die Probleme nicht auf.

Seit fast einem Jahr befinden sich alle – Geförderte und Ungeförderte – in einem ermüdenden Mahlstrom: Den Förder-Dschungel durchforsten, die Widersprüche zwischen Pressemitteilungen und FAQ erforschen, eigene Umsätze berechnen, mit Außenständen jonglieren, die Steuerberateraterin konsultieren, die Künstlersozialkasse kontaktieren, mit Interessenvertretungen sprechen, auf die Möglichkeit der Antragstellung warten, Anträge stellen, die FAQ screenshotten, weil sie sich vermutlich bald schon wieder geändert haben werden, auf die Bewilligung warten, auf Geld warten, mit Sorge vor Rückforderungen leben, Veranstaltungen umplanen, Hygiene-Maßnahmen vorbereiten, Veranstaltungen erneut umplanen, Geld zurücklegen, Geld lieber nicht zurücklegen, nochmals Beratung suchen, widersprüchliche Auskünfte erhalten, Verwendungsnachweise erstellen, Sachberichte schreiben, Nebenjobs organisieren, Nebenjobs machen, parallel die Kinder ganztags betreuen und alles wieder von vorne. Das Zermürbende hat am Ende wenig mit der Pandemie selbst zu tun, sondern vor allem mit einem viel zu komplizierten Apparat und mit Systemen, für die die Arbeitsrealität der Selbstständigen, der hybrid Arbeitenden und der kleinen, freien Unternehmen nach wie vor etwas Fremdes ist. Die überbordende Bürokratie der Corona-Hilfen ist eine gigantische Vernichtungsmaschine für Zeit, Energie und Zuversicht.

Das gilt für die Kunstschaffenden. Aber das gilt in gleichem Maße auch für die Politik und die Verwaltung, die sich zunehmend in ihren selbst geschaffenen Konstrukten verheddern. Die Komplexität der Systeme – insbesondere bei den Wirtschaftshilfen – versetzen auch die Interessenvertretungen in ein merkwürdiges Dilemma. Je mehr die Szene-Vertretungen gehört werden, je öfter die Rechtsgrundlagen der Fördersysteme infolgedessen richtigerweise angepasst werden, desto unübersichtlicher wird es. Die Politik ist inzwischen durchaus zugänglich; es gibt beachtliche Lernkurven und viel ehrliches Bemühen. Aber all das mündet nie in  Vereinfachung, sondern immer in einer noch weiteren Verkomplizierung.

Die Systeme und unser Denken, wie Hilfen konstruiert werden, brauchen eine radikale Vereinfachung. Die Hilfen sind letztlich vom Misstrauen bestimmt, von der Sorge, dass es Mitnahmeeffekte bzw. einen unberechtigten Zugriff auf Steuergelder gibt und dass Ungleichheiten entstehen. Der Witz ist: Mitnahmeeffekte und Ungleichheiten gibt es trotz der Komplexität der Systeme.

Im Grunde braucht es in Ausnahmesituationen einen Vertrauensvorschuss und die Grundannahme, dass es denen, die die Hilfen in Anspruch nehmen, nicht um Bereicherung und persönliche Vorteilnahme geht, sondern darum – ohne Berufswechsel – durch die Krise zu kommen. Es braucht Hilfen, die grundsätzlich von der Praxis ausgehen und nicht von den Haushaltsordnungen.

Österreich hat es unter anderem bei seinen Hilfen für Künstlerinnen und Künstler vorgemacht. Die Bürokratie war und ist überschaubar. Es wurden vergleichsweise schnell hohe Pauschalsummen ausgereicht. Die Kunstschaffenden haben von Anfang an Klarheit, wie lange sie mit der Pauschalsumme über die Runden kommen müssen. Es gibt – anders als in Deutschland – keine Unterscheidung zwischen Lebenshaltungs- und Betriebskosten. Das österreichische System ist einfach, wirksam und es erzeugt Zuversicht.

Und auch die Österreicher unterliegen dem EU-Wettbewerbsrecht, das hierzulande immer wieder als Argument gegen eine unkomplizierte Förderung ins Feld geführt wurde. Auch die Österreicher sind gehalten ihre Steuermittel sparsam sowie sach- und fachgerecht zu verwenden.

Unabhängig davon, dass es vermutlich zahlreiche nachvollziehbare Gründe gibt, warum gerade das Beispiel Österreichs nicht auf deutsche Verhältnisse anzuwenden ist, müssen wir lernen, unsere Systeme einfacher zu denken und auf Vertrauen zu gründen und nicht auf der Annahme, dass durch die Betroffenen ein systematischer Missbrauch stattfindet.

Mit Blick auf die Zukunft sollten wir bereits in der Krise mit einer kritischen Durchsicht unserer Haushaltsordnungen und Förderverfahren beginnen. Ähnliches gilt für unser sozialen Sicherungssysteme, die noch immer weitgehend aus der Logik des Normalarbeitsverhältnisses gedacht sind. Die Arbeitsrealitäten haben sich in den zurückliegenden Jahrzehnten gravierend verändert und die Systeme müssen diese Veränderungen abbilden.

Mehr als zuvor braucht es einen breiten ressort- und branchenübergreifenden Dialog, auch unter Einbeziehung der Interessenvertretungen. Bei dieser Gelegenheit reden wir dann auch noch einmal über die Behauptung, die Kunst gehöre zum Bereich Freizeitgestaltung.

 

Stephan Behrmann ist Sprecher der Allianz der Freien Künste und Geschäftsführer des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste (BFDK)

Dieser Beitrag zitiert den Titel von Paul Virilios gleichnamigem Essay »Rasender Stillstand (L’Inertie polaire)« von 1992 und nimmt indirekt Bezug auf Hartmut Rosas gedankliche Anschlüsse in »Beschleunigung, Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne« von 2005 – ohne dass durch die Bezugnahme behauptet werden soll, dass die von Virilio beschriebene Ambiguität einer von elektronischen Medien bestimmten, entfremdeten Gesellschaft oder die von Rosa beschriebene Beschleunigungslogik linear auf die im Beitrag geschilderte aktuelle gesellschaftliche Situation übertragbar wäre.

Die Erstveröffentlichung dieses Beitrags erfolgte in gekürzter Fassung und mit leicht abweichendem Titel in Politik & Kultur 3/21, der Zeitung des Deutschen Kulturrats, dem Spitzenverband der Bundeskulturverbände in Deutschland.

 

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NEUSTART KULTUR II angekündigt – Wirtschaftshilfen mit vielen offenen Fragen

Allianz der Freien Kuenste

Berlin, 19.02.2021 |Die Allianz der Freien Künste begrüßt die Aufstockung des Programms Neustart Kultur um eine weitere Milliarde Euro – jetzt kommt es auf eine kluge Verteilung an. Die Allianz der Freien Künste begrüßt auch, dass mit der Neustarthilfe im Paket der Überbrückungshilfe III freischaffende Künstler*innen direkt adressiert werden. Gleichzeitig bleiben die Zugangsvoraussetzungen der Wirtschaftshilfen des Bundes undurchsichtig und gehen an vielen Stellen an den Arbeits- und Lebensrealitäten in der Kunst- und Kulturbranche vorbei. Es besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf bei der Umsetzung.

Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände beobachten eine stetig wachsende Zermürbung und Perspektivlosigkeit in der freien Kunst- und Kulturszene. Seit Beginn der Krise sind die Kunst- und Kulturschaffenden unmittelbar und existenziell von den Folgen der Pandemie betroffen. Für die Mehrzahl der Akteur*innen ist die Ausübung ihrer Berufe seit mittlerweile fast einem Jahr nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Die Öffnungsszenarien bleiben im Vagen.

NEUSTART KULTUR II: Die Allianz der Freien Künste und viele Fachverbände hatten sich gemeinsam mit dem Deutschen Kulturrat im Vorfeld für eine Weiterführung bzw. Aufstockung eingesetzt und sind erleichtert, dass nun eine weitere Milliarde bereitgestellt werden konnte. Die starke Überzeichnung vieler Teilprogramme ist ein Indiz dafür, dass die Programme passgenau sind, deshalb in der Kunst- und Kulturbranche angenommen werden und Wirkung entfalten können. Vor diesem Hintergrund fordert die Allianz der Freien Künste mit Blick auf die Verteilung der zweiten Kultur-Milliarde insbesondere:

Verlängerung und Aufstockung der stark überzeichneten Förderprogramme aus Neustart Kultur I

• einen deutlichen Schwerpunkt auf Teilprogramme und Förderinstrumente, die sich unmittelbar an die Kunstschaffenden richten

• Entwicklung neuer Förderprogramme, um Förderlücken bei Neustart Kul- tur I zu schließen.

Wirtschaftshilfen: Die Allianz der Freien Künste begrüßt, dass bei der Neustarthilfe für Soloselbstständige die Künste direkt adressiert werden und dass auch hybrid arbeitende Kunstschaffende besonders gesehen werden. Aber insbesondere beim Kleingedruckten bleiben viele offene Fragen.

Zugangsvoraussetzungen: Weiterhin sind alle Wirtschaftshilfen des Bundes von komplexen, schwer nachvollziehbaren Kriterien geprägt, die an vielen Stellen noch immer an der Arbeitspraxis der Kunst- und Kulturschaffenden vorbeigehen. Positiv ist, dass nun endlich die Neustarthilfe für Soloselbstständige beantragt werden kann, denn sie trägt als einmalige Betriebskostenpauschale erstmals im Ansatz den Arbeits- und Lebensrealitäten Soloselbstständiger Rechnung.

Allerdings werden Selbstständige mit Einkünften aus Kapital- oder Personengesellschaften in den FAQ auf unbestimmte Zeit vertröstet. Gleichzeitig werden die Rechtsgrundlagen und FAQ zu den Corona-Hilfen immer wieder geändert – zum Teil mit gravierenden Folgen für die Akteur*innen. Fragen, die sich für Künstler*innen in spezifischen Zusammenhängen ergeben, werden von der zuständigen Hotline nicht oder teilweise widersprüchlich beantwortet. Es fehlen so rechtssichere Auskünfte für die Antragstellenden. Wir fordern hier endlich Verlässlichkeit, Rechtssicherheit und eine radikale Vereinfachung der Zugangsvoraussetzungen.

Ausländische Einkünfte: Bei den November- und Dezemberhilfen und der Neustarthilfe für Soloselbstständige werden Auslandsumsätze bei der Berechnung des Referenzumsatzes nicht berücksichtigt. Selbstständige Kunst- und Kulturschaffende sind häufig international tätig. Einkünfte aus Engagements außerhalb Deutschlands sind ein zentraler Bestandteil ihres Einkommens und werden größtenteils auch in Deutschland versteuert. Die Allianz der Freien Künste fordert, dass Auslandseinkünfte bei allen Wirtschaftshilfen zur Berechnung von Referenzumsätzen berücksichtigt werden.

Wir fordern die Bundesregierung eindringlich auf, die Notlage im Bereich der Künste ernst zu nehmen, bestehende Hilfsmaßnahmen wirksam und schnell nachzubessern und dabei die Fachverbände auf Bundesebene bei der Ausgestaltung kontinuierlich und frühzeitig einzubeziehen.

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
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Nichts ist in Ordnung – soloselbstständige Kunstschaffende warten noch immer auf wirksame Bundeshilfen

Allianz der Freien Kuenste

Berlin, 18.01.2021 |Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände sind mit großer Sorge in das neue Jahr gestartet. Noch immer gibt es keine wirksamen Hilfen für soloselbstständige Künstler*innen in der Coronakrise – mit zum Teil irreversiblen Folgen für das kulturelle Leben in Deutschland. Die Kunst- und Kulturschaffenden sind seit Beginn der Krise stärker als nahezu alle anderen Branchen von den Folgen der Pandemie betroffen. Für die Mehrzahl der Akteur*innen ist die Ausübung ihrer Berufe seit Monaten nicht oder nur sehr stark eingeschränkt möglich.

Neustarthilfe für Soloselbstständige: Die für Januar 2021 angekündigte Neustarthilfe für Soloselbstständige im Rahmen der Überbrückungshilfe III kann immer noch nicht beantragt werden! Zudem wird für die Mehrheit der soloselbstständigen Künstler*innen der in Aussicht gestellte pauschale Betriebskostenzuschuss aufgrund ihrer verhältnismäßig niedrigen Jahresumsätze deutlich unter 500 Euro pro Monat liegen.

November- und Dezemberhilfen: Hier ist eine Vielzahl der freischaffenden Künstler*innen von der Antragstellung ausgeschlossen: Sie zählen bestenfalls zu den »indirekt Betroffenen« und müssen nachweisen, dass 80 % der ausgefallenen Umsätze mit von den Schließungen direkt betroffenen Auftraggeber*innen realisiert worden wären. Dies ist aufgrund der sehr heterogenen Erwerbsstruktur in der freien Szene nur selten möglich.

Intransparenz: Unter denjenigen, die diese Hilfen dennoch in Anspruch nehmen konnten, besteht die große Sorge, Gelder zurückzahlen zu müssen, da die komplexen Zugangsvoraussetzungen unnötigen Interpretationsspielraum lassen und zum Teil erst im Nachhinein klar werden. Permanent werden die Rechtsgrundlagen und FAQ zu den Corona-Hilfen geändert – zum Teil mit dramatischen Folgen für die Antragstellenden. Auskünfte zu spezifischen Fragen, die sich für sie im Kulturbereich ergeben, werden generell nicht erteilt. Hier braucht es endlich Verlässlichkeit und Rechtssicherheit.

Die Allianz der Freien Künste macht sich seit Beginn der Pandemie für einen fiktiven Unternehmer*innenlohn für Soloselbstständige stark. Im Sinne eines erweiterten Betriebskostenzuschusses würde er auch soloselbstständigen Kunstschaffenden wirksam helfen. Unterstützt wird diese Forderung von den Fachminister*innen der Länder, dem Kulturausschuss des Bundesrates, dem Deutschen Kulturrat, allen Fachverbänden der Kulturbranchen und nicht zuletzt auch von der Kulturstaatsministerin.

Wir fordern die Bundesregierung eindringlich auf, die Notlage im Bereich der Freien Künste ernst zu nehmen und endlich wirksame Hilfsmaßnahmen auf den Weg zu bringen bzw. bestehende Hilfsmaßnahmen nachzubessern und dabei die Fachverbände auf Bundesebene bei der Ausgestaltung einzubeziehen.

Die Hauptforderungen der Allianz der Freien Künste im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sind:

  1. Sofortiger Start und schnellstmögliche Erhöhung des im Rahmen der Neustarthilfe für Soloselbstständige in Aussicht gestellten Zuschussbetrages auf monatlich mindestens 1.180 Euro im Sinne eines fiktiven Unternehmer*innenlohns
  2. Zwingende Einstufung von allen soloselbstständigen Kunst- und Kulturschaffenden als »direkt Betroffene« im Rahmen der November- und Dezemberhilfen
  3. Radikale Vereinfachung der Grundsicherung für die Dauer der Pandemie (Wegfall der Bedarfsgemeinschaft, Wegfall der Vermögensprüfung, Wegfall des Bewerbungszwanges, Wegfall des de facto geltenden Mobilitäts-Verbotes etc.)
  4. Umgehende Aufstockung der stark überzeichneten Förderprogramme im Rahmen von NEUSTART KULTUR um mindestens eine weitere Kultur-Milliarde
  5. Ernstzunehmende Einbeziehung der Branchen- und Fachverbände auf Bundesebene bei der Ausgestaltung von Hilfs- und Fördermaßnahmen
  6. Einrichtung eines überparteilichen, die Fachverbände einbeziehenden Runden Tisches »Kunst und Kultur 2021 ff.«

 

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Sprecher*innen:

Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

Lena Krause
Tel.: 0176 / 640 92 843

 

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»Jenseits von Reden…« – die Allianz der Freien Künste erhält vom Aktionsbündnis Darstellende Künste den Best-Practice-Preis »Bühnenheld*innen«

Allianz der Freien Kuenste

Neben Preisträger*innen wie dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer, dem Hamburger Kultursenator, Carsten Brosda, der kulturpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Elisabeth Motschmann, dem Team des Corona-Hilfsfonds der Stadt Braunschweig und weiteren Preisträger*innen wurde die Allianz der Freien Künste am 6. Dezember 2020 in der Kategorie »Jenseits von Reden: Sonderauszeichnung für strukturelle Verbesserungen in den letzten Jahren, Impulsgeber*innen, Alternativen« mit dem Preis »Bühnenheld*innen 2020« ausgezeichnet. »Wir freuen uns über den Preis, der ein sehr positives Zeichen dafür ist, sich auch auf der Bundesebene zu vernetzen. Wir sind mittlerweile ein Bündnis von 19 Verbänden und der Preis ist eine Motivation, noch intensiver für die Interessen freien Strukturen und der Künstler*innen zu streiten«, so Lena Krause, eine der Sprecher*innen der Allianz. 
Mit dem Preis will das Aktionsbündnis das Jahr 2020 mit positiven Meldungen abschließen und »nach Sorge und Verzweiflung auch einen Moment zum Jubeln bieten«, wie es in der Ankündigung zur Preisverleihung hieß. Der Preis richtet sich an Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, sie werden in folgenden Kategorien ausgezeichnet: Kulturpolitiker*innen, Theaterleitungen, Verwaltungsmitarbeiter*innen, Initiativen und Vereine, Innovator*innnen und Impulsgeber*innen. 
 
Insgesamt 39 Preisträger*innen aus fünf Kategorien sind durch eine Fachjury ausgewählt worden. »Die 39 Bühnenheld*innen repräsentieren die große Vielfalt der Kulturlandschaft der darstellenden Künste und zeigen, was möglich ist, wenn Menschen wach, offen und aktiv bleiben« erklärte das Aktionsbündnis. Insgesamt 38 Bühnenheld*innen und ihre Teams waren Teil einer bunten und glamourösenZoom-Preisverleihung. Der Zuspruch zeige »wie wichtig das Sichtbarmachen des aktiven Engagements gerade auch in Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft ist«, so die Veranstalter. Das Performer*innenkollektiv Henrike Iglesias gelang es auch im Format einer Videokonferenz, Konfetti regnen, Tränen fließen und Emotionen sprühen zu lassen.

»Trotz der guten Stimmung, die sich mit so einem Preis verbindet, bleibt im Rückblick auf die vergangenen Monate sehr viel Enttäuschung vor allem über die Situation der vielen soloselbstständigen Kunstschaffenden und der vielen Kleinst- und Kleinunternehmen, die bei den Hilfsmaßnahmen herausgefallen sind und auch aktuell weiter im Regen stehen. Es ist ein erster Erfolg auch der Allianz der Freien Künste, dass die Soloselbstständigen stärker auf dem bundespolitischen Radar auftauchen. Hier hat sich in den letzten Monaten viel getan. Aber die Maßnahmen der Bundesregierung gehen am Bedarf in der Szene vorbei und zementieren ein krasses Ungleichgewicht bei den Hilfen«, so Stephan Behrmann, gemeinsam mit Lena Krause Sprecher*in der Allianz. 

 

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Ohne ernstzunehmende Nachbesserung ist den Soloselbstständigen nicht geholfen

Allianz der Freien KuensteBerlin, 17.11.2020 | Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände begrüßen, dass die Bundesregierung nach monatelangem Zögern Maßnahmen beschlossen hat, die sich speziell an die Gruppe der Soloselbstständigen richten. Soloselbstständige haben nun erstmalig die Möglichkeit, eine pauschale Wirtschaftshilfe des Bundes für den Zeitraum von sieben Monaten als Zuschuss in Anspruch zu nehmen.

Entgegen der öffentlichkeitswirksamen Darstellung verschiedener Bundesminister sind die in Aussicht gestellten Hilfen kein Ersatz für den Unternehmer*innenlohn – so wie ihn die Fachminister*innen der Länder, der Kulturausschuss des Bundesrates, der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Kulturverbände, die Allianz der Freien Künste, eine überwältigende Zahl von Fachverbänden aller Branchen und nicht zuletzt auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unisono für die von der Pandemie betroffenen Soloselbstständigen fordern.

Angesichts der prekären Einkommenssituation der Betroffenen ist die beschlossene Pauschale in Höhe von 25 Prozent des durchschnittlichen monatlichen Umsatzes viel zu niedrig und führt in den Künsten zu Mini-Zuschüssen. Bei der Mehrheit der Künstler*innen und Kunstschaffenden übersteigt der Jahresumsatz selten die Grenze von 20.000 Euro. Oft liegt er deutlich darunter. Nimmt man diesen Wert als Grundlage, errechnet sich ein monatlicher Zuschuss von um die 400 Euro. Damit lässt sich die Notsituation der soloselbstständigen Kunstschaffenden nicht verbessern.

Die angekündigten Maßnahmen basieren nach wie vor auf der zu Recht kritisierten Logik, die Betriebskosten über Wirtschaftshilfen und die Lebenshaltungskosten über die sogenannte vereinfachte Grundsicherung zu kompensieren. Hier braucht es endlich einen Systemwechsel hin zu einem fiktiven Unternehmer*innenlohn im Rahmen der Corona-Hilfen des Bundes.

Die Idee, soloselbstständige Kunstschaffende mit einem monatlichen Pauschalbetrag zu unterstützen, kann nur dann funktionieren, wenn ein solcher Pauschalbetrag imstande ist, die wirtschaftliche Existenz der Soloselbstständigen zu sichern.

Die fehlende Einbeziehung der Expertise von Fachverbänden führt offensichtlich einmal mehr dazu, dass die als Hilfen konzipierten Instrumente des Bundes an der Arbeitsrealität in den Freien Künsten vorbeigehen! Die Allianz der Freien Künste fordert umgehende, ernstzunehmende Nachbesserungen bei den angekündigten Hilfen.

Die Allianz der Freien Künste fordert:

  1. die Erhöhung des in Aussicht gestellten Pauschalbetrages auf monatlich mindestens 1.180 Euro
  2. eine Verlängerung der Novemberhilfen bis zum 31. Dezember 2020, denn in Branchen mit langen Planungsvorläufen ist der Monat Dezember bereits jetzt verloren
  3. die Sicherstellung, dass bei den Novemberhilfen alle selbstständigen Kunstschaffenden zur Gruppe der direkt Betroffenen gezählt werden
  4. eine radikale Vereinfachung der Grundsicherung für die Dauer der Pandemie (Wegfall der Bedarfsgemeinschaft, Wegfall der Vermögensprüfung, Wegfall des Bewerbungszwanges, Wegfall des Mobilitäts-Verbotes etc.)
  5. eine kurzfristige Aufstockung von bereits jetzt stark überzeichneten Förderprogrammen der BKM im Rahmen von NEUSTART KULTUR (Kultur-Milliarde)
  6. eine ernstzunehmende Einbeziehung der Branchen- und Fachverbände auf Bundesebene bei der Ausgestaltung von Hilfs- und Fördermaßnahmen
  7. einen überparteilichen, die Fachverbände einbeziehenden Runden Tisch Kunst und Kultur in der ersten Jahreshälfte 2021

 

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Die Allianz der Freien Künste fordert die umgehende Umsetzung des Unternehmer*innenlohns und die Ausweitung der Novemberhilfe

Allianz der Freien KuensteBerlin, 10.11.2020 | Die seit Anfang November 2020 geltenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung treffen die Kultur- und Kreativwirtschaft unverhältnismäßig hart.

Seit mehr als 8 Monaten tragen die Akteur*innen die existenzgefährdenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie solidarisch mit. Dennoch fielen vor allem die zahlreichen Soloselbstständigen, die hybrid Beschäftigten sowie die kleinen Betriebe ohne hohe Betriebskosten bei den Wirtschaftshilfen des Bundes komplett durchs Raster.

Vor diesem Hintergrund begrüßt die Allianz der Freien Künste, dass die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte außerordentliche Wirtschaftshilfe (Novemberhilfe) endlich auch die Soloselbstständigen einbezieht. Die Zuschüsse zum Ausgleich von Einnahmeverlusten bis zu 75 % des Vorjahres-Umsatzes und die Wahloption zur Berechnung (Umsatzes November 2019 oder Jahresdurchschnitt) erscheinen als geeignete Instrumente um die Folgen des aktuellen Lockdowns abzufedern. Mit der Senkung der Zugangshürden bis zu einem monatlichen Zuschuss von 5.000 Euro und mit der Sonderregelung für Berufs-Ein- und Umsteiger*innen finden direkte Forderungen der Allianz der Freien Künste ihre Umsetzung.

Jetzt müssen die angekündigten Hilfen unverzüglich und unbürokratisch zugänglich gemacht werden. Die Allianz der Freien Künste fordert die Bundesregierung auf, die Hilfen bei einer Verlängerung des Lockdowns in gleicher Form auch im Dezember fortzusetzen.

Darüber hinaus müssen die bei den Novemberhilfen für Soloselbstständige geltende Wahloption zur Berechnung sowie der erleichterte Zugang (bis 5.000 Euro ohne Steuerberatung) auch für GbRs und Kleinstbetriebe gelten.

Mehrere Vertreter*innen der Bundesregierung kündigten an, dass ein Unternehmer*innenlohn im Rahmen der Überbrückungshilfe III (ab Januar 2021) eingeführt werden soll. Die Allianz fordert die Bundesregierung zu rascherem Handeln auf. Der Unternehmer*innenlohn für die von der Pandemie betroffenen Soloselbstständigen ist überfällig und bedarf unverzüglicher Umsetzung – so wie ihn die Fachminister*innen der Länder, der Kulturausschuss des Bundesrates, der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Kulturverbände, die Allianz der Freien Künste, eine überwältigende Zahl von Fachverbänden und nicht zuletzt auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unisono fordern.

Weiterhin braucht es auch in der Überbrückungshilfe III ähnlich wie bei der sogenannten Novemberhilfe einen erleichterten Zugang, ohne Beauftragung einer Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung. Hier braucht es schnellstmöglich Klarheit zu den Eckpunkten des Hilfspaketes. Die Umsetzung darf nicht hinter die Ankündigung zurückfallen.

 

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Unternehmer*innenlohn jetzt! – Ohne wirtschaftliche Hilfe stirbt die Kultur

Allianz der Freien KuensteBerlin, 29.10.2020 | Presseinformation zu den am 28.10.2020 vereinbarten Corona-Maßnahmen von Bund und Ländern

Die für November 2020 angekündigten Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus bedeuten existentielle Einschnitte für die Freien Künste. Das zwischen Bund und Ländern vereinbarte Veranstaltungsverbot entzieht Kunst- und Kulturschaffenden erneut die Existenzgrundlage.

Insbesondere soloselbstständige Kunst- und Kulturschaffende sowie kleine und mittlere Unternehmen in den Sparten Musik und Darstellende Künste werden von den Ein­schränkungen hart getroffen. Dies gilt auch für alle anderen Kunstsparten, deren Existenzgrundlage öffentliche Veranstaltungen sind.

Die Akteur*innen der Freien Künste – die vom Beginn der Pandemie bis heute extrem unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu leiden hatten – haben die Einschränkungen gleichwohl mit enormen Kraftanstrengungen und massiven Einbußen solidarisch mitgetragen.

Dennoch blieb Soloselbstständigen und Unternehmen ohne relevante Betriebskosten der Zugang zur Soforthilfe des Bundes bislang verwehrt. Wenn ihnen jetzt erneut die Existenzgrundlage entzogen wird, muss endlich ein fiktiver Unternehmer*innenlohn für Soloselbstständige anrechenbar sein – so wie es die Fachminister*innen der Länder, der Kulturausschuss des Bundesrates, der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Kulturverbände, die Allianz der Freien Künste, eine überwältigende Zahl von Fachverbänden und nicht zuletzt auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unisono fordern.

Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände fordern die Bundesregierung eindringlich auf, die nun beschlossenen Maßnahmen umgehenddurch Wirtschaftshilfen abzufedern, die auch Soloselbstständigen und kleinen Unternehmen der Kulturwirtschaft wirkungsvoll, direkt und unbürokratisch Hilfen eröffnen.

Die Allianz der Freien Künste begrüßt die angekündigte Verlängerung von Überbrückungshilfen und die Erstattung von Einnahmeausfällen bis zu 75 Prozent für den Monat November. Allerdings fordern wir eine Ausweitung der Hilfen etwa für Berufseinsteiger*innen, die keine Vorjahresumsätze vorweisen können. Hier bedarf es sofortiger Regelungen, die verhindern, dass unzählige junge Künstler*innen ihre berufliche Existenz aufgeben.

Die Umsetzung der Hilfen muss unverzüglich, unbürokratisch und ohne Befassung kosten- und zeitintensiver Wirtschaftsprüfung oder Steuerberatung möglich sein. Eine Verrechnung von Erstattungsansprüchen mit bereits laufenden oder zugesagten Projektförderungen oder Stipendien für Künstler*innen ist auszuschließen.

Ohne ein konsequentes, ernst gemeintes Maßnahmenpaket für die de facto mit einem Arbeitsverbot bzw. mit einem Präsentationsverbot belegte Kulturwirtschaft und ohne adäquate Maßnahmen zur Kompensation von Einnahmeverlusten für die Akteur*innen der Freien Künste ist ein strukturelles Kultursterben in unserem »Land der Dichter*innen und Denker*innen« nicht aufzuhalten.

 

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Allianz der Freien Künste begrüßt Entschließung des Bundesrates und fordert Nachbesserung bei der geplanten Ausgestaltung des Konjunkturpakets

Allianz der Freien KuensteBerlin, 08.06.2020 | Die 18 in der Allianz der Freien Künste zusammengeschlossenen Bundesverbände begrüßen die am Freitag, 05.06.2020, gefasste Entschließung des Bundesrates zur „Sicherung von Selbstständigen und Freiberuflern – Hilfen für die Kultur- und Kreativwirtschaft nachhaltig ausgestalten“.

Diese Entschließung ist ein deutliches Signal der Länder an die Bundesregierung, bei der Ausgestaltung des geplanten Konjunkturpakets angemessen auf die Arbeits- und Lebensrealität der soloselbstständigen freischaffenden Künstler*innen und Kunstschaffenden in Deutschland einzugehen.

Es gibt weiterhin dringenden Handlungsbedarf:

Erfreulicherweise hat die Politik erkannt, dass die Kunst- und Kulturszene von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie besonders heftig betroffen ist und hat für die Unterstützung dieses Bereichs eine Milliarde Euro bereitgestellt. Dieser geplante Kulturinfrastrukturfonds ist ein dringend notwendiger Schritt, um die Strukturen innerhalb des Kulturbereichs abzusichern und sie durch die Krise zu bringen.

Allerdings muss eine echte Unterstützung von Kunst und Kultur in Kombination mit individuellen Hilfen für Künstler*innen und Kulturschaffende gewährleistet werden, damit die Strukturförderung nicht ins Leere läuft. 

Grundsicherung ist keine Lösung

Freie Künstler*innen und Kunstschaffende, die bis zum Lockdown von ihrer Kunst leben konnten und durch das staatlich verhängte Berufsverbot seit März keine Einnahmen mehr haben, werden weiterhin in die Grundsicherung geschickt. Dies erschwert unternehmerisches Handeln und verhindert gerade in der Krise unverzichtbare Investitionen für freie Kunstschaffende unnötig. Viele von ihnen sind aufgrund bestehender Regularien beispielsweise bezüglich Bedarfsgemeinschaften ohnehin von der Grundsicherung ausgeschlossen.

Künstlerinnen und Künstler nehmen einen immanent wichtigen gesellschaftlichen Auftrag wahr. Umso erschreckender ist, dass diese Berufsgruppe in einer solchen Krisenzeit erneut durchs Raster fällt. Während in verschiedenen Berufsbereichen eine angemessene Form der Krisenhilfe installiert wurde, werden Künstler*innen und Kunstschaffende im Stich gelassen. Dabei zeigt der Blick ins europäische Ausland, dass passende Lösungen durchaus möglich sind.

Die Allianz der Freien Künste unterstützt die Entschließung des Bundesrats und fordert die Bundesregierung erneut mit Nachdruck auf, den Leistungen der Akteur*innen der Freien Szene Rechnung zu tragen und bei den Coronahilfen persönliche Lebenshaltungskosten als betrieblich relevante Ausgaben anzuerkennen bzw. Zuschüsse zur Abfederung von Einnahmeverlusten zu leisten!

Es wird höchste Zeit für eine Kultur- und Sozialpolitik, die Künstler*innen und Kunstschaffenden der Freien Szene passende Hilfe in der Krise bietet und ihnen eine Fortsetzung ihres Schaffens ermöglicht!

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Sprecher: Stephan Behrmann
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Baden-Württemberg geht mit gutem Beispiel voran

Allianz der Freien KuensteBerlin, 09.04.2020 | Baden-Württemberg sorgt bei der Corona-Soforthilfe für eine faire Regelung für Solo-Selbstständige, Freiberufler*innen und kleine Unternehmen. Das schafft Sicherheit für viele freie Künstler*innen und Unternehmen der Kulturwirtschaft. Die18 in der Allianz der Freien Künste vertretenen Verbände finden: Das ist ein gutes Beispiel!

Solo-Selbstständige, Freiberufler*innen und für die in kleinen Unternehmen tätigen Inhaber von Einzelunternehmen und Personengesellschaften können in Baden-Württemberg bei einem durch Corona bedingten Liquiditäts-Engpass auch Lebensunterhaltskosten bis zu einer maximalen Höhe von 1.180 Euro pro Monat aus der Soforthilfe des Bundes bestreiten.

Es handelt sich um einen Pauschalbetrag, der private Miet- und Lebenshaltungskostenkosten abdeckt – zusätzlich zu fortlaufenden Betriebskosten. Dieses Beispiel soll­te nun bundesweit Schule machen!

Die Allianz der Freien Künste fordert die Landesregierungen der anderen Bundesländer auf, sich am Beispiel Baden-Württembergs zu orientieren.

Siehe: https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/foerderprogramme-und-aufrufe/liste-foerderprogramme/soforthilfe-corona/

Der Allianz der Freien Künste gehören an: 
Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft, der Bund der Szenografen, der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, der Bundesverband Freie Dar­stellende Künste, der Bundesverband Theater im Öffent­li­­­chen Raum, der Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus, der Dachverband Tanz Deutschland, der Deutsche Tonkünstlerverband, die Deutsche Gesellschaft für Elektro­akus­tische Musik, die Deutsche Jazzunion, der Deutsche Kompo­nis­tenverband, der Deutsche Textdichter-Verband, die Ge­sel­lschaft für Neue Musik, die Hans-Flesch-Gesellschaft, der Verband der HörspielRegie, FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland, der Ver­band Deut­scher Pup­pen­theater sowie die Vereinigung Alte Mu­sik.

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Sprecher: Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

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Allianz der Freien Künste fordert dringende Korrekturen bei der Coronahilfe von Bund und Ländern

Allianz der Freien KuensteDie 18 in der Allianz der Freien Künste zusammengeschlossenen Bundesverbände fordern eine sofortige Öffnung der Corona-Soforthilfe von Bund und Ländern für Lebenshaltungskosten.

Berlin, 07.04.2020 | Die Allianz der Freien Künste begrüßt, dass Bund und Länder sehr schnell ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Corona-Soforthilfe auf den Weg gebracht und entsprechende Finanzmittel zur Verfügung gestellt haben.

Die Mitgliedsverbände melden jedoch übereinstimmend, dass die Soforthilfe des Bundes bei den zahlreichen Freiberufler*innen, Solo-Selbständigen und kleinen Unternehmen nur sehr eingeschränkt greift. Das liegt zum einen an fehlenden Bundesvorgaben zur Anerkennung anteiliger Lebenskosten als betriebliche bzw. erwerbsmäßige Kosten sowie zum anderen auch daran, dass die Länder Verwaltungsspielräume eher zum Nachteil der freischaffenden Künstlerinnen und Künstler auslegen.

Zwar werden bei Soforthilfen laufende Betriebskosten wie z. B. Mieten für Ateliers, Arbeits- und Probenräume anerkannt. Persönliche Lebenshaltungskosten, die insbesondere bei freiberuflichen und solo-selbstständigen Kunstschaffenden im Wesentlichen auch unternehmerische Kosten sind, werden in den meisten Bundesländern jedoch kategorisch ausgeschlossen. Freiberufliche tätige Kunstschaffende werden auf diese Weise systematisch in die Grundsicherung gedrängt, obwohl es die zur Verfügung stehenden Mittel und die Vorgaben des Bundes zulassen, Freiberufler*innen,
Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen entsprechend abzusichern.

Darüber hinaus herrscht derzeit große Unsicherheit, wie die Soforthilfe des Bundes und andere Hilfs-Maßnahmen miteinander kombinierbar sind.

Die Allianz der Freien Künste wendet sich eindringlich an die Bundesregierung, mit der Forderung, den Fortbestand der Freiberufler*innen, Solo-Selbständigen sowie der kleinen Unternehmen zu sichern und die Hilfsmaßnahmen auf die konkrete Lebens- und Arbeitsrealität auszurichten.

Der Allianz der Freien Künste gehören an:
Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft, der Bund der Szenografen, der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler, der Bundesverband Freie Darstellende Künste, der
Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum, der Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus, der Dachverband Tanz Deutschland, der Deutsche Tonkünstlerverband, die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik, die Deutsche Jazzunion, der Deutsche Komponistenverband, der Deutsche Textdichter-Verband, die Gesellschaft für Neue Musik, die Hans-Flesch-Gesellschaft, der Verband der HörspielRegie, FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland, der Verband Deutscher Puppentheater sowie die Vereinigung Alte Musik.

ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
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Mariannenplatz 2, 1099

Sprecher: Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

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Allianz der Freien Künste fordert Absenkung der Zugangshürden zur Grundrente

Allianz der Freien KuensteDie 18 in der Allianz der Freien Künste zusammengeschlossenen Bundesverbände weisen auf dringenden Korrekturbedarf beim vorliegenden Gesetzentwurf zur Grundrente hin.

Berlin, 18.02., (aktualisiert am 26.02.2020) | Das Kabinett hat die Einführung einer Grundrente beschlossen und in Kürze wird der Gesetzentwurf im Deutschen Bundestag beraten. Die Allianz der Freien Künste begrüßt das Bemühen der Bundesregierung, die Altersabsicherung für langjährig Versicherte mit unterdurchschnittlichem Einkommen grundlegend zu verbessern und die Lebensleistung von Erwerbstätigen, die in ihrer Erwerbsbiographie viele Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, stärker anzuerkennen.

Im Namen der 18 in ihr vertretenen Bundesverbände weist die Allianz der Freien Künste jedoch mit Nachdruck darauf hin, dass die derzeit vorgesehene Ausgestaltung des Gesetzes dazu führt, dass tausende professionelle Kunstschaffende durch das Raster der Kriterien fallen, auch wenn sie über die entsprechenden Beitragsjahre verfügen.

Die aktuelle Statistik der Künstlersozialkasse (KSK) weist eine Gruppe von knapp 20.000 Künstler*innen aus, die durch die geplanten Kriterien vom Anspruch auf Grundrente ausgeschlossen sein werden, obwohl sie eine entsprechende Lebensleistung von mindestens 33 Beitragsjahren vorweisen können.

Der zur Diskussion stehende Gesetzentwurf sieht vor, dass Beitragsjahre bei der Grundrente nur dann angerechnet werden, wenn die Versicherten jeweils mindestens 30 Prozent des von der Deutschen Rentenversicherung aktuell mit 37.873 Euro jährlichen Durchschnittsverdienstes aller Berufsgruppen in Deutschland erzielt haben. Tausende Künstler*innen werden das als Zugangsbedingung zur Grundrente definierte Mindesteinkommen von 11.361 Euro pro Jahr nicht erreichen.

Die Lebensleistung vieler Kunstschaffender mit für diesen Bereich typischen Erwerbsbiographien wird durch den vorliegenden Gesetzentwurf prinzipiell in Frage gestellt. Anhand der KSK-Daten wird deutlich, dass zudem überproportional viele Frauen benachteiligt werden, obwohl im Gesetzentwurf explizit formuliert ist, dass gerade deren Biographien berücksichtigt werden sollen.

Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) weist als Mitglied der Allianz der Freien Künste in einem gemeinsam mit anderen Verbänden veröffentlichten und von 16.000 Menschen unterzeichneten Appell auf die gravierenden Auswirkungen des jetzigen Gesetzentwurfes für viele Künstler*innen unter anderem in den Bereichen der bildenden und darstellenden Künste sowie der Musik hin. Sie fordern darin die Bundesregierung, die Abgeordneten des Deutschen Bundestages sowie den Bundesrat auf, das im Gesetzentwurf definierte Mindesteinkommen deutlich abzusenken und sich an den entsprechenden Regelungen im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) zu orientieren.

Die Allianz der Freien Künste schließt sich diesem Appell im Grundsatz an und fordert mit Blick auf die besondere Schutzwürdigkeit und in Anerkennung der wichtigen gesellschaftlichen Funktion der Künstler*innen eine drastische Absenkung der Zugangshürden zur Grundrente.

Darüber hinaus fordert die Allianz der Freien Künste, die Untergrenze für den Zugang zur Grundrente mindestens am gesetzlich definierten Existenzminimum auszurichten, um tausende Künstler*innen vor Altersarmut zu bewahren.

Der Allianz gehören aktuell an:
Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft,
der Bund der Szenografen,
der Bundesverband der Bildenden Künstlerinnen und Künstler,
der Bundesverband Freie Darstellende Künste,
der Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum,
der Bundesverband Zeitgenössischer Zirkus,
der Dachverband Tanz Deutschland,
der Deutsche Tonkünstlerverband,
die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik,
die Deutsche Jazzunion,
der Deutsche Komponistenverband,
der Deutsche Textdichter-Verband,
die Gesellschaft für Neue Musik,
die Hans-Flesch-Gesellschaft,
der Verband der HörspielRegie,
FREO – Freie Ensembles und Orchester in Deutschland,
der Verband Deutscher Puppentheater sowie
die Vereinigung Alte Musik.

Kontakt:
ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin

Sprecher: Stephan Behrmann
Tel.: 0177 / 733 99 28

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Presseerklärung, 25.04.2018

Runder Tisch Freie Künste

Kulturpolitische VertreterInnen des Bundestags laden Allianz der Freien Künste (AFK) zur
intensiven Zusammenarbeit ein

Link zur Pressereklärung als → Pdf
Link zum → Positionspapier der Allianz der Freien Künste vom 19 April 2018

Die kulturpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Bundestagsfraktionen haben im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung im Radialsystem in Berlin am Dienstag über Forderungen der Allianz der Freien Künste (AFK) diskutiert. Auf dem Podium debattierten Elisabeth Motschmann (CDU/CSU), Helge Lindh (SPD), Erhard Grundl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Simone Barrientos (DIE LINKE) und Hartmut Ebbing (FDP) über den Forderungskatalog, den die 15 in der AFK zusammengeschlossenen Bundesverbände der freien und privatrechtlich organisierten Kunst- und Kulturschaffenden an die Bundespolitik richten.

Elisabeth Motschmann, kultur- und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, zeigte sich an neuen Ansätzen interessiert: »Die Förderinstrumente sind nicht mehr zeitgemäß. Sie kommen aus einer Zeit, als die freie Szene noch ganz anders aussah. Da müssen wir neu justieren.« Motschmann versicherte, die Forderungen der Allianz der Freien Künste in die Bundesregierung weiterzutragen.

Erfrischend war, dass grundlegende Fragen offen angesprochen wurden: Wie wird mit hybriden Erwerbsformen umgegangen? Wie geht man mit künstlerischer Arbeit im Alter um. Helge Lindh (SPD): »Wir verkennen soziale Realitäten, es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb man im künstlerischen wie auch außerhalb nicht auch Ältere besser unterstützen sollte.« Klar wurde: »Das ist eine Aufgabe von Sozialpolitik, und Kulturpolitik muss das einfordern!« Elisabeth Motschmann (CDU/CSU).

Immer wieder wurde die im Koalitionsvertrag der CDU und SPD genannte besondere soziale Schutzwürdigkeit der Künstler*innen abgewogen gegen allgemeine Lösungen in diesem Bereich. So trat Simone Barrientos (DIE LINKE) einerseits vehement dafür ein, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern, andererseits verwies sie auf einen aktuellen Antrag ihrer Partei zum Umgang mit den 4,2 Millionen Solo-Selbständigen in Deutschland, der Lösungen auch für Künstler*innen bringen würde.

Die Überraschung der Diskussionsveranstaltung war aber die Forderung von Hartmut Ebbing (FDP) nach einer wirklichen Erweiterung der Künstlersozialkasse zu Gunsten der Künstler*innen. »Es mag sein, dass die FDP in der Vergangenheit anders gedacht hat«, so Ebbing zu seinem Vorschlag.

Diese Diskussionsveranstaltung war angelegt als ein erstes Kennenlernen der Kulturpolitischen Sprecher*innen auf der Bundesebene und der mitllerweile 15 Verbände umfassenden Allianz der Freien Künste – denn die neue Legislaturperiode steht am Anfang und in vielen Feldern besteht dringender Handlungsbedarf. »Sagen Sie uns, was Sie von uns brauchen!«, forderte Christophe Knoch, Moderator der Diskussion und Mitinitiator des Zusammenschlusses, die Politiker*innen auf. »Wir brauchen eine Art runden Tisch. Erklären wir uns gegenseitig die Welt, und es wird sich was verändern.«, war ein wesentliches Fazit von Helge Lindh (SPD). Sein Kollege Erhard Grundl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ging in seinen Vorschlägen noch einen Schritt weiter: »Wir sollten im Kulturausschuss eine Anhörung mit den Freien Künsten machen und dann eine parlamentarische
Initiative entwickeln.«

»Dass auf dem Podium ein weitreichender, parteiübergreifender Konsens darüber herrschte, dass die Förderung der Freien eine massive Aufstockung braucht, um die Benachteiligung gegenüber der institutionellen Kunst abzubauen – das ist ein neue Qualität im politischen Umgang mit der Freien Szene. Wichtig ist aber nicht nur die Aufstockung der Fördertöpfe. Es braucht auch neue Wege im Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen. Wichtig ist auch, das die Förderung mit der konkreten Arbeitspraxis in den freien Künsten korrespondiert.«, so das Fazit von Stephan Behrmann, Sprecher der Allianz der Freien Künste.

»Wir brauchen darüber hinaus ein neues, erweitertes Verständnis für Kulturpolitik, denn gerade auf
Bundesebene ist Kulturpolitik vor allem auch Sozialpolitik«, so Lena Krause, Sprecherin der Allianz der Freien Künste. »Die drängenden Problemfelder im Bereich der sozialen Arbeitsbedingungen für solo-selbstständige Künstlerinnen und Künstler müssen auch auf die Agenda des Bundeskulturausschuss und von dort an die politischen Verantwortlichen in den Bereichen Arbeit und Soziales herangetragen werden. Diesen Prozess möchten wir mit der Allianz der Freien Künste unterstützen, die Gesprächsbereitschaft der Parteien ist eine wichtige Grundlage dafür«, so die Einschätzung von Krause.

Ansprechpartner*innen:
Lena Krause (FREO), Tel.: 0176 – 6409 28 43, Sprecherin der Allianz der Freien Künste Stephan Behrmann (BFDK), Tel.: 0177 – 733 99 28, Sprecher der Allianz der Freien Künste

Freie Künste/Freie Szene: Die Gesamtheit aller professionellen freien Kunst- und Kulturschaffenden, Künstler*innen, Ensembles, Einrichtungen und Strukturen in freier Trägerschaft aus den Bereichen bildende Kunst, Tanz, Schauspiel, Performance, Neue Medien, Musik von Alter Musik über Jazz, Echtzeitmusik und Klangkunst bis neuer Musik, Musiktheater, Kinder- und Jugendtheater, Literatur sowie aller spartenübergreifenden und transdisziplinären künstlerischen Arbeiten.

Die Allianz der Freien Künste spricht für den gesamten Bereich der Freien Künste. In einem ersten
Schritt haben sich 2017 die sieben erstunterzeichnenden Verbände zusammengefunden. Zahlreiche
Verbände sind hinzugekommen. Die Allianz der Freien Künste ist offen für weitere auf der Bundesebene angesiedelte Verbände.
In der Allianz der Freien Künste sind folgende Interessenvertretungen Mitglied: Bundesverband Freie Darstelende Künste, Union Deutscher Jazzmusiker, Verein für Freie Ensembles und Orchester
in Deutschland, Bund der Szenografen, Bundesverband Theater im öffentlichen Raum, Verband Deutscher Puppentheater, Vereinigung Alte Musik, Bundesverband Tanz in Schulen, Dachverband Tanz Deutschland, Hans-Flesch-Gesellschaft – Forum für akustische Kunst, Verband der HörspielRegie, Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik, Deutscher Komponistenverband, Deutscher Textdichter-Verband, Gesellschaft für Neue Musik.

Allianz der Freien Künste
Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin
www.allianz-der-freien-kuenste.de


Podiumsgäste
Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Erhard Grundl (MdB)
CDU/CSU: zugesagt, noch ohne Namen
DIE LINKE: Simone Barrientos – DIE LINKE (MdB)
FDP: Hartmut Ebbing (MdB)
SPD: Helge Lindh
Moderation: Christophe Knoch

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Die Freien Künste – was zu tun ist!
Ein öffentliches Podium

Die Bundesinitiative für die Freien Künste, die Allianz der Freien Künste veranstaltet eine Diskussion mit den Bundeskulturpolitischen Sprecher*Innen von CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP:

Dienstag, 24. April 2018 20 Uhr
Ort: Radialsystem V
Eintritt frei.

Nach der langwierigen Regierungsbildung nimmt die kulturpolitische Arbeit in der neuen Legislaturperiode nun endlich Fahrt auf: Die Ausschüsse sind besetzt, der Koalitionsvertrag definiert erste kulturpolitische Schwerpunkte und die Opposition nimmt thematische Leerstellen in den Blick, die sich im Koalitionsvertrag zeigen. Aus Sicht der Freien Szene stellen sich viele brennende Fragen: Wie soll es weiter gehen in den kommenden 4, 10 oder 15 Jahren? Wie sehen die kulturpolitischen Visionen der Parteien aus und wie lässt sich – gelegentlich auch parteiübergreifend – ein neues Bewusstsein für die Bedarfe der Freien Künste erreichen? Wie lassen sich schnell die wichtigsten Weichen stellen für grundlegende Verbesserungen der sozialen Rahmenbedingungen?
Diese und andere, aktuelle und visionäre Fragen diskutiert die ALLIANZ der Freien Szene mit den Kulturpolitischen Sprecher*innen von CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP. Es handelt sich um eine der ersten öffentlichen Diskussionen der Fachpolitiker*innen zu Fragen der Bundeskulturpolitik und zur Freien Szene nach der Regierungsbildung.

Hintergrund: Dem Beispiel der Berliner Koalition der Freien Szene folgend, hat sich Ende 2016 auf der Bundesebene eine spartenübergreifende Allianz von Interessenvertretungen gegründet – die ALLIANZ DER FREIEN KÜNSTE. In einem Positionspapier, das im Sommer 2017 erschienen ist, setzt sich das offene Bündnis dezidiert mit der Lage der freien Künste in Deutschland auseinander und leitet daraus 11 Kernforderungen ab und definiuert auf der Bundesebene WAS ZU TUN IST. Den sieben Gründungsverbänden haben sich mittlerweile weitere acht weitere Verbände angeschlossen.

Frei. Kreativ. Und mehr als ihr denkt.

Wir sind die Allianz der Freien Künste.
Ein Gastbeitrag von Johannes Weiss, Musiker

Die sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden weder dem bedeutenden gesellschaftlichen Beitrag noch der Arbeitspraxis der freiberuflichen Künstler*innen gerecht. Darum hat sich die Allianz der Freien Künste als Bündnis verschiedener Interessenvertretungen zusammengefunden. Wir wollen gemeinsame übergeordnete Forderungen aus den eigenen Reihen bündeln und sie in den kulturpolitischen Diskurs einbringen, um die Arbeits- und Lebensbedingungen in diesem kreativen Berufsfeld ebenso grundlegend wie nachhaltig zu verbessern.

Link → zum Text von Johannes Weiss

backstage pro:
Kunst- und Kulturschaffende sprechen mit einer Stimme

Neugegründete „Allianz der Freien Künste“ geht mit Positionspapier in die Offensive:

In Berlin hat sich aus den Bundesverbänden der Kunst- und Kulturschaffenden die Allianz der Freien Künste formiert. In ihrer Funktion als Stimme und Plattform für die Freien Künste stellte sie am 27.6.2017 ihr Positionspapier mit Forderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion in Deutschland vor.

Link → zum Artikel

Jazz Zeitung:
Allianz der Freien Künste stellt acht Kernforderungen an Politik

Bundesverbände der Kunst- und Kulturschaffenden formieren Allianz der Freien Künste

In einer Pressekonferenz am 27.06.2017 hat die Allianz der Freien Künste als Stimme und Plattform für die Freien Künste auf Bundesebene ein Positionspapier mit acht Kernforderungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen freier künstlerischer Produktion in Deutschland vorgestellt. Gründungsmitglieder der Allianz der Freien Künste sind neben der Union Deutscher Jazzmusiker weitere Bundesverbände überwiegend privatrechtlich organisierter Kunst- und Kulturschaffender anderer künstlerischer Sparten wie u.a. der Bundesverband Freie Darstellende Künste, der Bund der Szenografen und die Vereinigung Alte Musik. Mit ihren Forderungen richtet sich die Allianz der Freien Künste in erster Linie an die Bundeskulturpolitik.
Link → zum Artikel

Verband Deutscher Puppentheater:
Allianz der Freien Künste

Pressekonferenz am 27.06. um 10:30 Uhr im Radialsystem, Berlin

Am gestrigen Dienstag fand die erste Pressekonferenz der Allianz der Freien Künste statt, in der das Positionspapier „Die Freien Künste – Was zu tun ist!“ mit 8 Kernforderungen vorgestellt wurde.

Die Allianz der Freien Künste (AFK) ist ein neues, offenes, spartenübergreifendes Bündnis von Bundesverbänden und Interessenvertretungen der privatrechtlich organisierten Kunst- und Kulturschaffenden in Deutschland. Der Verband Deutscher Puppentheater ist Mitglied der AFK.
Link → zum Artikel

Deutschlandfunk Kultur:
Allianz der Freien Künste – Auch wer frei arbeitet, braucht später eine Rente

Viele Verbände, in denen freie Künstler und Kulturschaffende organisiert sind, haben sich ein gemeinsames Dach gezimmert: Die neue Allianz der Freien Künste fordert von der Politik, Erwerbsbiografien zu ermöglichen, die nicht im sozialen Abseits enden. Stefan Behrmann und Lena Krause im Gespräch mit Gabi Wuttke www.deutschlandfunkkultur.de
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bis: 03.01.2018 22:37
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